SPIRITUELLE VERFOLGUNG

von Geoffrey Hoppe, aus Lichtfokus 58:

Ich habe zufällig den Artikel mit dem Titel „Spirituell zu dichtes Auffahren“ im letzten Lichtfokus Magazin gesehen, denjenigen, den mein Meister-Selbst schrieb. Ich nehme an, ich war es, der Mensch, über den der Meister gesprochen hat. Ich bat den Redakteur, meine Version der Geschichte in dieser Ausgabe zu veröffentlichen, um fairerweise die gleiche Zeit dafür zu bekommen.

Wisst ihr, wie es ist, zu versuchen, mit dem Meister auf dieser spirituellen Reise Schritt zu halten? Der Meister behauptet, ich würde zu dicht auffahren, aber Tatsache ist, dass er wie ein völlig Verrückter durch mein Leben rast. Es erfordert alles, was ich habe, um ihn einfach nur in Sichtweite zu behalten, während wir die grauenhaften, entsetzlichen Schnellstraßen und Nebenstraßen des Lebens entlang rasen. Manchmal denke ich, dass er wirklich versucht, mich abzuschütteln! Ich kann sein Gesicht in seinem Rückspiegel sehen, wie er in sich hineinlacht, während ich beinahe eine Haarnadel-Kurve verpasse oder eine Vollbremsung machen muss, wenn er plötzlich anhält, nur um ein Huhn die Straße überqueren zu lassen.

Als ich vor vielen Jahren zu erwachen begann, sagte der Meister: „Komm mit mir mit.“ Ich nahm ihn buchstäblich beim Wort. Er saß auf dem Fahrersitz eines teuren, roten Cabrio-Sportwagens, dessen Motor wie ein sprungbereiter Löwe schnurrte. Als ich zur Beifahrerseite ging, um einzusteigen, zeigte er auf einen verbeulten VW-Bus hinter mir, der mit bewusstseinserweiternden Blumen und „Frieden/Liebe/Freude“-Slogans an der Seite bemalt war, und sagte: „Das ist deiner …, das ist viel eher dein Stil.“ Dann trat er das Gaspedal seines Sportwagens durch und ließ mich in einer Staubwolke zurück. Seitdem habe ich versucht, ihn einzuholen.

Unter uns gesagt, der Meister ist nicht das, wofür ich ihn gehalten habe. Ich erinnere mich an meine erste Begegnung mit ihm, als wäre es gestern gewesen. Ich war gerade von einem einwöchigen Retreat mit 500 weiteren Menschen im Ashram meines Gurus in Mexiko, wo wir in einem alten Schafstall auf Strohmatten geschlafen hatten, zurückgekommen. Unsere Nahrung bestand aus biologischem Seetang und vom Guru gesegnetem Wasser, um unseren Körper zu reinigen. Fast jeder bekam Durchfall, aber der Guru sagte uns, das wäre Teil des Reinigungsprozesses. Wir machten Sprechgesänge und beteten jeden Tag acht Stunden lang und verbrachten vier Stunden mit harter Arbeit, um die neue Villa des Gurus bauen zu helfen. Ich kaufte für 500 Dollar ein kleines Stück Stoff, das der Guru tatsächlich nur an einem Abend während der „In-die-Augen-starren“-Sitzung getragen hat. Ich muss zugeben, es war so dunkel, dass ich nicht sicher bin, ob der Guru mir wirklich in die Augen gesehen oder ob er geschlafen hat, aber ich glaube, er hat mich angesehen. Ich glaube, ich habe etwas gespürt.

Sobald ich vom Ashram nach Hause kam und mich von der Dehydrierung erholt hatte, platzierte ich das Stück Guru-Stoff auf meinem Altar, direkt neben die Schamanische Magie-Flöte und eine Kristall-Klang-Schale, die ich ein paar Jahre zuvor in Sedona gekauft hatte. Ich zündete all meine „Licht-Kraft der Erzengel“-Kerzen an und etwas Hawaiianischen Kahuna-Atem-Weihrauch und begann mein 90-minütiges Abend-Sprechgesang-Ritual. Und dann passierte es.

Ich hörte Gelächter von irgendwo hinter mir. Es war ein freudiges, lustiges Lachen, wie man es von jemandem hört, der gerade einen wirklich großartigen Witz gehört hat. Es war ein natürliches, dröhnendes Lachen, wie der Weihnachtsmann nach ein paar Gläsern Kognak. Kein „ho-ho-ho“, sondern eher ein „ha-ha-ha-ha-ha“. Niemand sonst war in meinem heiligen, energiespendenden Zimmer, daher konnte ich nur vermuten, dass ich eine echte spirituelle Erfahrung machte. Ich griff sofort nach meinem Ägyptischen Heil-Zauberstab und tippte mir damit neunmal an die Stirn, wie es in der Anleitung stand. „Yaw-wah-zee-doo“, sang ich mit jedem Klopfen an meinen Schädel. Ich lernte vor ein paar Jahren diesen heiligen Sprechgesang bei einer Schwitzhütten-Zeremonie in Peru, als eine Gruppe von uns auf einer Portal-Öffnungs-Tour war.

Das Gelächter hielt weiterhin an und übertönte beinahe meine „Yah-wah-zee-doo’s“. Nun klang es so, als würde jemand so heftig lachen, dass Tränen über sein Gesicht liefen, die Art von hysterischem Lachen, wo man nicht aufhören kann. Ich wurde wirklich ein wenig ärgerlich; ich empfand das als ein nicht angemessenes Benehmen in meiner allerheiligsten Kammer, inmitten der plejadischen Aktivierungs-Öle und den süßes Lieder aus Lemurien-Audioaufnahmen. Aber das Gelächter hielt an.

„Wer kommet jetzt zu meinem Tempel der Allumfassenden Liebe?“, fragte ich und meine Stimme war ein paar Oktaven höher wegen der Nervosität. Ich hatte meinen Dunkle-Materie-Schutz-Nebel in diesem Zimmer nicht mehr benutzt, seit ich von dem Ashram zurück war, daher war ich nicht sicher, ob eine negative Wesenheit das Kraftfeld durchdrungen hat.

„Ich bin’s, dein Meister-Selbst“, war die Antwort zwischen den Lachsalven.

„Im Namen von Vater/Mutter Ur-Spirit, worüber lachest du?“, fragte ich ein wenig nervös.

„Über dich! Äh, uns. Nun … im Grunde über DICH.“

Es gab eine lange Pause, bevor ich fragte: „Erfreue ich die Götter mit meinen heiligen Riten?“

„Nein, aber du bist echt zum Schießen mit deinem Makyo!“

Makyo? Ich hatte diesen Begriff nie zuvor gehört. Es muss ein Sanskrit Wort für Andacht und fromme Handlung sein.

„Hör zu, mein Junge“, sagte der Meister, „du bekommst keine Aufstiegs-Punkte für deine hochheiligen Aktivitäten. Du hast die richtige Idee, aber du gehst in die falsche Richtung. Es ist wie der Versuch zu singen, doch deinen Hintern dafür zu benutzen, um heiße Luft zu blasen …“

„Entschuldige bitte!“ Ich schnappte nach Luft. Doch fast wie auf’s Stichwort pupste ich. Ich bin mir sicher, es war nur ein Zufall wegen meines kürzlichen Anfalls von Montezuma’s Rache. Das Gelächter des Meisters füllte die vier Himmelsrichtungen meines heiligen Zimmers, genauso wie es ein eher fauliger Geruch tat.

„Lass uns zum Kern der Sache kommen, Grashüpfer. Du möchtest deinen göttlichen, goldenen Engel an deiner Seite haben, richtig?“

„Ja, mehr als alles andere“, antwortete ich beinahe unter Tränen.

„Nun, ich bin hier, Schlafmütze“, sagte der Meister mit einer Jack-Nicholson-Stimmen-Imitation. Die Stimme wurde nun ein wenig mitfühlender. „Ich bin dein Meister-Selbst, die verkörperte Erleuchtung von dir. Ich komme nicht aus der Zukunft und ich bin kein Engel. Ich bin immer hier gewesen und habe einfach geduldig auf dich gewartet, dass du mich bemerkst.“

„Warum kommst du jetzt, Meister?“, fragte ich. „Habe ich mein Level-14-Diplom des Ordens der Gütigen Sternensaat erreicht?“

„Ja, genau“, sagte der Meister mit einem sarkastischem Unterton, der sich mir zu der damaligen Zeit entzog. „Eigentlich tut mir mein Lichtkörper vor lauter Lachen so weh, dass ich es nicht länger aushalte. Du bringst mich um, Kleiner. Ich möchte da reinkönnen und das Leben mit dir genießen, aber zwischen dir, der du es so angestrengt versuchst, und mir, der so heftig lacht – wir machen einfach nicht diese Integrations-Sache, die wir ausgemacht haben. Du bist so damit beschäftigt, Regenbogen und Einhörner zu jagen, dass du vergessen hast, was wir in dieser Lebenszeit ausgemacht haben: Sich in die verkörperte Erleuchtung hinein zu entspannen.“

„Nun, ich habe es selbstverständlich versucht!“, weinte ich empört. „Weißt du, wie viel Geld ich für all diese Kurse und heiligen Touren ausgegeben habe?!“

„Nur zu gut, nur zu gut. Wir hätten eine Yacht kaufen und um die Welt segeln können für das, was du ausgegeben hast, und hätten verdammt viel mehr Spaß gehabt, als Seetang in einem verlogenen Ashram zu essen. Ich möchte leben, Kleiner, nicht leiden. Wir haben genug gelitten in vergangenen Lebenszeiten. Jetzt ist es Zeit, ordentlich auf die Pauke zu hauen. Hey, wie wärs, wenn wir morgen Nachmittag Bowling spielen gehen? Ein paar Bier, ein paar Zigarren? Du kannst sogar ein paar deiner Freunde einladen. (Pause) Oh, stimmt ja, du hast ja keinerlei Freunde. (Lachen) Nun, ich bringe ein paar der Aufgestiegenen Meister mit.“

„Du kennst die Aufgestiegenen Meister?“, fragte ich mit großen Augen.

„Ich BIN ein Aufgestiegener Meister, Battan-san.“

Ich war total verwirrt. Ich höre den Lachenden Meister, der behauptet, ich zu sein, und der ebenfalls behauptet, ein Aufgestiegener Meister zu sein. Und, er möchte morgen mit mir bowlen gehen. Zwischen „kein Geld zu haben, um die Miete zu bezahlen, weil ich zu dem Guru-Ashram gehen musste“, mich von dem „Donnern hier unten“ zu erholen, und jetzt mit einem respektlos lachenden Meister zu sprechen, brach ich weinend wie ein kleines Baby zusammen. Ich erfuhr später, dass der Meister genau das wollte. Es war für mich an der Zeit, loszulassen und zu erlauben.

Ich ertappte mich eine Stunde später dabei, mich in meiner Badewanne durchtränken zu lassen, ohne eine Idee, wie ich dorthin gekommen war. Ich sah ein frisches weißes Handtuch und einen Bademantel, die auf dem Stuhl neben der Wanne bereit lagen, und eine handschriftliche Notiz auf dem Handtuch. Ich griff hinüber und las sie: „Triff mich morgen um 18 Uhr im Big K’s Bowling Imperium. Komm nicht zu spät. BYOB (bring your own balls = Bring deine eigenen Kugeln mit. – Oder im eher übertragenen Sinne: Bring all deinen Mumm mit.) – Der Meister.“

„Ich habe keinerlei ‚Kugeln‘“, dachte ich. HEY, MOMENT! Er wollte, dass ich das zu mir selbst sagte. Verflucht sei er!

Und da habe ich Ihn tatsächlich getroffen. Den Meister. Den besten Freund, den ich jemals haben würde, und das irritierendste Wesen, das ich je gekannt habe. Er hat mir (uns) alles abverlangt. Raus aus meiner Komfort-Zone. Jenseits dessen, was ich für möglich hielt. Er zwang mich eigenhändig hinein in das Leben an sich, mit mir, der ich den größten Teil des Weges lautstark protestierte. Er brachte mich dazu, auf eine Weise zu atmen, wie ich niemals zuvor geatmet habe. Er brachte mich zum Lachen, wenn ich nicht lachen wollte. Er brachte mich dazu, in schönen Restaurants zu essen, in schönen Hotels zu übernachten und sogar, im Flugzeug First Class zu fliegen. Er hat mich dazu veranlasst zu singen und zu tanzen und schöne Musik zu hören. Ich sollte es wahrscheinlich nicht einmal in einem Familien-Magazin erwähnen, aber er brachte mich sogar dazu, meinen Körper zu berühren.

Der Meister ließ mich völlig fremde Leute auf der Straße ansprechen, ließ mich Jogger anlächeln, wenn ich für lange Spaziergänge draußen war, ließ mich einen Kaffee für die Frau hinter mir in der Schlange bei Starbucks bezahlen und rausgehen, bevor sie es bemerkte, ließ mich aus dem Fenster meines Autos winken, wenn ich ein anderes Auto auf meiner Straße überholte … nun, er ließ mich voll im Leben sein.

Jedenfalls traf ich ihn am nächsten Tag im Big K’s Bowling Imperium. Er sah wirklich aus wie eine Figur aus dem Film Der Große Lebowski. Er trug ein Bowlingteam-Trikot aus Polyester. Auf dem Rücken stand aufgestickt in großen farbigen Buchstaben im Stil der 50er Jahre: „Der Club der Aufgestiegenen Meister“, als wäre er sein Team-Sponsor. Die aufgestickten Zeichnungen zeigten Bowling-Kegel, die durch die Luft fliegen, und darunter stand in kleinen Buchstaben: „Jeder Wurf ein Strike.“ Vorne, über dem Herzen aufgestickt, stand der Name „Der Kumpel“.

Nachdem er drei aufeinanderfolgende 300-Punkte-Spiele gebowlt hatte und ich meine üblichen 100-Punkte-Spiele, verspeiste er zwei Deluxe Bacon-Cheeseburger und ein Sechserpack Heinecken Bier, während ich an meinem Salat knabberte und einen Bio-Frucht-Smoothie trank.

Dann lud er mich nach draußen auf eine Spazierfahrt ein. Es war eine Fahrt, die bis zum heutigen Tag anhält.

„Komm mit mir mit“, sagte er mit einem Lächeln. In dem Moment, in dem er in diesen teuren, roten Cabrio-Sportwagen stieg, begann der Motor so zu schnurren, was sich wie 400 PS unter der Haube anfühlte. Als ich zur Beifahrerseite ging, um einzusteigen, zeigte er auf den oben genannten VW-Bus hinter mir. „Das ist deiner“, schrie er. „Das ist viel eher dein Stil, jedenfalls bis du dich in deine (unsere) Erleuchtung hinein entspannst“. Dann trat er das Gaspedal seines Sportwagens durch und ließ mich in einer Wolke aus Feenstaub zurück.

Er ist nicht der Meister, den ich mir damals in den frühen Tagen meines spirituellen Erwachens vorgestellt habe. Ich suchte nach einem Guru. Ich dachte, Spiritualität dreht sich nur um Verehrung, Ehrfurcht und Rituale. Ich schaue jetzt zurück und lache bei dem Gedanken daran, wie langweilig ich geworden bin, wenn der ganze Punkt zur Verkörperten Erleuchtung tatsächlich der ist, zu leben. Das ist genau das, was der Meister tun wollte, und genau das Gegenteil von dem, was ich gemacht hatte. Ich war daran gewöhnt zu glauben, ein großer goldener Engel würde herab geschossen kommen und mich zärtlich an seine Brust drücken, während ich über die Härten des Lebens weinte. Stattdessen bekam ich einen lebendigen Meister, der nicht in den Problemen der Vergangenheit hängengeblieben war, sondern vollkommen in der Gegenwart lebte. Ich bekam einen Meister, der es liebte, auf eine Weise zu leben, wie ich es nie zuvor gesehen hatte, und der sich nicht davor fürchtete zu leben, denn der Meister wusste, dass es keinen Tod gab. Ich bekam einen Meister, der meine Füße nicht in heiligem Balsam wusch, sondern der eher beide Hände aus dem Fenster seines heißen, kleinen Sportwagens streckte und mir die Mittelfinger zeigte, während ich versuchte, mit meinem alten VW-Bus an ihm dranzubleiben. Das ist der Meister, den ich bekam – den Meister des Lebens.

Ich habe seitdem versucht, mit seinem unersättlichen Wunsch zu leben, mitzuhalten. Ich war gewohnt zu denken, ich wäre auf meinem Weg „weg“ von diesem Planeten, mich fragend, ob ich bleiben oder gehen sollte. Jetzt erkenne ich, der Meister und ich sind „stark drin“ im Leben. Es ist die beste Lebenszeit, die ich mir jemals hätte vorstellen können, und der exzentrischste und liebevollste Meister, den ich mir hätte wünschen können. Und das Beste ist … das alles bin ich.

Übersetzung: Gerlinde Heinke Lektorat: Birgit Junker